Der Bauch wächst, der Schwerpunkt wandert nach vorn, die Bänder werden weicher — und der Körper, der das alles leisten muss, meldet sich: im unteren Rücken, im Beckenring, an der Symphyse, manchmal mit einem Ziehen bis ins Bein. „Das gehört dazu“ hören viele Schwangere. Ein Teil davon stimmt. Der andere Teil lässt sich sehr gut behandeln.
Woher kommt das?
Drei Dinge kommen zusammen. Das Hormon Relaxin lockert die Bänder von Becken und Wirbelsäule, damit das Becken bei der Geburt nachgeben kann — die Gelenke verlieren dadurch Stabilität. Das Gewicht des Bauchs zieht die Lendenwirbelsäule ins Hohlkreuz und belastet die Iliosakralgelenke und die Symphyse ungleich. Und die Muskeln, die dagegenhalten müssten — Bauch, Beckenboden, Gesäß — werden gedehnt und schwächer.
Typische Bilder: Beckengürtelschmerz (hinten am Becken, einseitig oder beidseitig, beim Gehen, Treppensteigen, Umdrehen im Bett), Symphysenschmerz (vorn am Schambein, beim Einbeinstand, Spreizen der Beine, Aufstehen), Lendenschmerz, Ischias-artiges Ziehen durch Druck auf den Nerv, Karpaltunnel-Beschwerden durch Wassereinlagerung, Sodbrennen und Kurzatmigkeit durch den Druck auf Zwerchfell und Magen.
Was wir uns ansehen
Wir fragen nach Trimester, Verlauf, Vorerkrankungen und was deine Frauenärztin oder Hebamme gesagt hat. Dann: Beckenstand, Iliosakralgelenke, Symphyse, Beweglichkeit von Lendenwirbelsäule und Hüften, Spannung von Zwerchfell und Beckenboden, Gang. Alles in Seitenlage, im Sitzen oder auf dem speziell gelagerten Rücken, nie in Bauchlage, nie mit Druck auf den Bauch.
Was wir machen
- Osteopathisch lösen: Sanfte Techniken an Becken, Kreuzbein, Lendenwirbelsäule, Zwerchfell und den Aufhängungen der Gebärmutter. Kein Impuls, keine Manipulation an der Wirbelsäule in der Schwangerschaft.
- Stabilisieren: Übungen für Beckenboden, tiefe Bauchmuskeln und Gesäß, die mit wachsendem Bauch noch gehen. Bei Symphysenschmerz zeigen wir dir, wie du dich bewegst, ohne die Beine zu spreizen.
- Entlasten: Beckengurt bei Beckengürtelschmerz, Lagerung im Schlaf, Kinesiotape für Rücken oder Bauch, Lymphanregung bei geschwollenen Händen und Füßen.
- Auf die Geburt vorbereiten: Ab dem letzten Trimester: Becken beweglich halten, Atmung, Beckenboden loslassen lernen — und nach der Geburt Rückbildung und Beckenboden bei uns weiterführen.
Osteopathie geht ohne Rezept, Physiotherapie mit Verordnung der Frauenärztin über die Kasse — Krankengymnastik in der Schwangerschaft ist eine Kassenleistung. Meist reichen drei bis fünf Termine, verteilt über die Schwangerschaft.
Was du selbst tun kannst
Umdrehen im Bett. Knie zusammen, als Block drehen, nicht ein Bein nach dem anderen — schont Becken und Symphyse.
Seitlich schlafen mit Kissen. Zwischen den Knien und unter dem Bauch. Das nimmt dem Beckenring die Verdrehung.
Bewegen, aber symmetrisch. Schwimmen, Gehen, sanftes Yoga. Kein Einbeinstand beim Anziehen — setz dich hin.
Wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist
Bitte sofort zur Frauenärztin, in die Klinik oder zum Notruf, wenn eins davon zutrifft:
- Wehenartige, regelmäßige Schmerzen vor der 37. Woche, Blutung oder Flüssigkeitsabgang
- Starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, plötzliche starke Schwellung von Gesicht und Händen — Hinweis auf Präeklampsie
- Einseitig geschwollene, schmerzende, warme Wade
- Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen, Flankenschmerz
- Deutlich weniger Kindsbewegungen als sonst













