Die Jacke anziehen wird zum Manöver, der Griff nach hinten ins Auto geht gar nicht mehr, nachts liegst du auf der Schulter und wachst davon auf. Ob dahinter eine Frozen Shoulder oder ein Impingement steckt, ist mehr als ein Name: Es entscheidet, ob du jetzt kräftigen oder erstmal Geduld haben solltest.
Woher kommt das?
Frozen Shoulder (Schultersteife, adhäsive Kapsulitis): Die Gelenkkapsel entzündet sich und schrumpft. Warum, weiß man oft nicht; häufiger bei Menschen zwischen 40 und 60, bei Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen, manchmal nach einer Verletzung oder Operation. Sie läuft in Phasen: erst Schmerz, vor allem nachts, dann Steife mit weniger Schmerz, dann langsames Auftauen. Insgesamt ein bis drei Jahre — mit guter Behandlung deutlich erträglicher und meist kürzer.
Impingement (Engpass unter dem Schulterdach): Die Sehnen der Rotatorenmanschette und der Schleimbeutel werden beim Heben des Arms gereizt. Ursache ist meist nicht der „zu enge Raum“, sondern eine Manschette, die zu schwach ist, um den Oberarmkopf zentriert zu halten — plus eine Haltung, die das Schulterblatt nach vorn kippt. Typisch: der schmerzhafte Bogen beim Heben zwischen 60 und 120 Grad.
Was wir uns ansehen
Der wichtigste Test ist simpel: Wir bewegen deinen Arm passiv. Ist er auch dann steif, vor allem in der Außendrehung, spricht das für die Kapsel. Kannst du passiv weiter als aktiv, ist es eher die Manschette. Dazu Krafttests der einzelnen Sehnen, Schulterblattführung, Halswirbelsäule und Brustwirbelsäule — eine steife BWS zwingt die Schulter in Positionen, die sie nicht mag. Bei Verdacht auf einen Sehnenriss oder unklarem Bild empfehlen wir die ärztliche Bildgebung.
Was wir machen
- Frozen Shoulder — Phase Schmerz: Schmerz beruhigen, sanfte Mobilisation im schmerzfreien Bereich, Schlafposition lösen. Keine forcierten Dehnungen — die verlängern die Entzündung. Wenn der Nachtschmerz dominiert, sprechen wir mit deinem Arzt über eine Kortisoninjektion: Sie verkürzt diese Phase nachweislich.
- Frozen Shoulder — Phase Steife: Jetzt Mobilisation mit Nachdruck, Manuelle Therapie an Kapsel und Nachbargelenken, tägliche Übungen für zu Hause. Fortschritt in Zentimetern, nicht in Tagen.
- Impingement: Kräftigen der Rotatorenmanschette und der Schulterblattmuskeln, Haltung, Technik beim Heben. Sechs bis zwölf Wochen konsequent — das schlägt in Studien die Operation.
- Osteopathisch: Brustwirbelsäule, Rippen, Zwerchfell, Halswirbelsäule: alles, was der Schulter Bewegungsraum nimmt.
Bei der Frozen Shoulder begleiten wir dich über Monate in größeren Abständen; beim Impingement sind es meist zwei bis drei Blöcke Physiotherapie.
Was du selbst tun kannst
Schlafen. Auf der anderen Seite, ein Kissen unter dem betroffenen Arm, damit er nicht nach hinten fällt. Auf dem Rücken mit einem Kissen unter dem Ellbogen.
Pendeln. Vorbeugen, Arm hängen lassen, kleine Kreise — zwei Minuten, mehrmals täglich. Entlastet Kapsel und Sehnen.
Nicht durchbeißen. Bei der Frozen Shoulder ist Schmerz beim Üben ein Stoppsignal, beim Impingement ist leichter Schmerz während der Kraftübung in Ordnung. Wir sagen dir, welches von beiden du hast.
Wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist
Bitte zuerst ärztlich abklären, wenn eins davon zutrifft:
- Plötzlicher Kraftverlust im Arm nach einem Sturz oder Ruck — Verdacht auf Sehnenriss
- Schulter rot, heiß, geschwollen, mit Fieber
- Schmerz mit Taubheit oder Kribbeln bis in die Hand, das zunimmt
- Schmerz in der linken Schulter zusammen mit Brustenge, Atemnot oder Übelkeit — Notruf















