Erst war es einmal die Woche, jetzt fast jeden Nachmittag: Das Kind kommt aus der Schule, legt sich hin, „der Kopf“. Die Stirn drückt, der Nacken ist hart, Licht stört. Am Wochenende ist meist Ruhe. Die Kinderärztin hat untersucht, alles unauffällig, und gesagt: mehr trinken, weniger Handy. Das stimmt — und reicht oft nicht.
Kopfschmerzen sind bei Kindern häufiger, als viele denken: Bis zum Ende der Grundschule hat jedes zweite Kind sie schon gehabt, in der Pubertät berichtet ein Drittel von regelmäßigem Kopfweh. Die zwei großen Gruppen sind der Spannungskopfschmerz — dumpf, drückend, beidseitig, das Kind kann weiterspielen — und die Migräne — pochend, oft einseitig, mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit, das Kind will ins Dunkle und schlafen. Bei Kindern sind Migräneanfälle kürzer als bei Erwachsenen und der Schmerz sitzt häufig beidseitig an der Stirn.
Woher kommt das?
Beim Spannungskopfschmerz treffen sich mehrere Dinge: eine Halswirbelsäule, die stundenlang über Heft und Bildschirm gebeugt war, ein Kiefer, der nachts knirscht, Schultern, die hochgezogen sind, zu wenig getrunken, zu wenig geschlafen, Stress in der Schule. Bei der Migräne ist die Veranlagung familiär — fragt mal, wer in der Familie Migräne hat —, und Auslöser wie ausgelassene Mahlzeiten, Schlafmangel, Wetterwechsel oder Aufregung setzen den Anfall in Gang. Die Halswirbelsäule kann bei beiden Formen ein Verstärker sein: Aus dem oberen Nacken laufen Nerven direkt in die Hinterkopf- und Stirnregion.
Was wir uns ansehen
Wir hören zuerst dem Kind zu, nicht nur euch: Wo genau, wie fühlt es sich an, wann kommt es, was hilft. Dann untersuchen wir die obere und untere Halswirbelsäule, die Schädelbasis, das Kiefergelenk und die Kaumuskulatur, den Schultergürtel und die Brustwirbelsäule. Wir schauen auf die Haltung beim Sitzen und Lesen, auf die Augen (Sehtest gemacht?), aufs Trink- und Schlafverhalten. Und wir bitten das Kind, zwei Wochen lang ein einfaches Kopfschmerztagebuch zu führen — das zeigt Muster, die im Gespräch keiner sieht.
Was wir machen
- Nacken und Schädelbasis lösen: Sanfte manuelle Techniken und Osteopathie an der oberen Halswirbelsäule, am Hinterhaupt und am Kiefer. Keine ruckartigen Manipulationen bei Kindern.
- Kiefer und Kaumuskulatur: Wenn das Kind knirscht oder presst, behandeln wir die Kaumuskeln und sprechen mit der Zahnärztin über eine Schiene.
- Kräftigen und beweglich machen: Nacken und Schultergürtel trainieren, Sitz- und Lesehaltung besprechen, Dehnungen, die das Kind alleine kann.
- Auslöser sortieren: Mit dem Tagebuch finden wir gemeinsam, was Anfälle anschiebt — Frühstück ausgelassen, sechs Stunden Bildschirm, spätes Einschlafen — und bauen zwei, drei Regeln, die das Kind selbst kontrolliert.
Meist zeigen drei bis vier Termine, ob der Nacken der Verstärker ist. Bei Migräne begleiten wir; die Anfallsbehandlung mit Medikamenten und die Frage einer Vorbeugung gehören zur Kinderärztin oder Kinderneurologin.
Was du selbst tun kannst
Regelmäßig essen und trinken. Frühstück, ein zweites Frühstück, ein Liter Wasser über den Schultag — das ist die wirksamste Vorbeugung, die es gibt.
Schlaf schützen. Feste Zeiten, auch am Wochenende ungefähr; kein Bildschirm in der letzten Stunde vor dem Schlafen.
Bewegung nach der Schule. Eine halbe Stunde draußen entlädt mehr Nackenspannung als jede Massage.
Wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist
Geh bitte zuerst zur Kinderärztin oder in die Kindernotaufnahme, wenn eins davon zutrifft:
- Der Kopfschmerz weckt das Kind nachts oder ist morgens direkt nach dem Aufwachen am stärksten, besonders mit Erbrechen
- Er ist neu, wird über Tage oder Wochen stetig schlimmer oder ist „der schlimmste Kopfschmerz aller Zeiten“
- Fieber mit Nackensteife, Hautausschlag, Verwirrtheit oder starker Schläfrigkeit
- Sehstörungen, Doppelbilder, Schwäche oder Taubheit in Arm oder Bein, Gangunsicherheit, Krampfanfall
- Kopfschmerz nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf
- Das Kind ist jünger als sechs Jahre oder der Kopfschmerz beginnt in der Pubertät plötzlich anders als sonst








