Gegen 18 Uhr geht es los: Das Baby wird unruhig, zieht die Beine an, der Bauch ist gebläht und hart, es presst und windet sich, manchmal gehen laute Pupse ab und es ist kurz besser. Dann fängt es wieder an. Bis 22 Uhr. Jeden Abend. Die Kinderärztin hat nichts gefunden und „Dreimonatskoliken“ gesagt.
Der Name ist alt, die Sache ist echt: Etwa jedes fünfte Baby hat in den ersten Monaten solche Phasen. Sie beginnen um die zweite Lebenswoche, sind um die sechste am schlimmsten und verschwinden fast immer bis zum vierten Monat. Was sich in dieser Zeit tun lässt, ist begrenzt, aber nicht nichts — und ein Baby, dessen Bauch weniger gespannt ist, kommt leichter durch den Abend.
Woher kommt das?
Ehrlich: Es weiß niemand genau. Der Darm eines Neugeborenen ist noch unreif, die Darmflora baut sich erst auf, die Bewegung des Darms ist unkoordiniert, und Luft, die beim Trinken oder Schreien geschluckt wird, kommt schlecht wieder raus. Dazu kommt das, was wir mit den Händen finden: ein gespanntes Zwerchfell, das den Bauch von oben einengt, ein Beckenboden, der nicht loslässt, eine verdrehte Beckenstellung nach der Geburt. Selten steckt eine Unverträglichkeit von Kuhmilcheiweiß dahinter, meist nicht. Was es nicht ist: falsches Essen der stillenden Mutter — dafür gibt es keine belastbaren Belege, und Diäten bringen meist nur Stress.
Was wir uns ansehen
Wir fragen nach dem Rhythmus: wann, wie lange, was hilft, wie ist der Stuhlgang, wie läuft das Trinken, schluckt das Baby dabei viel Luft. Wir tasten Bauch, Zwerchfell, Rippenbögen und Becken, prüfen die Spannung der Bauchdecke und die Beweglichkeit des Brustkorbs beim Atmen. Wir schauen, ob das Baby sich überstreckt oder sich rund macht, und ob es eine Vorzugshaltung hat — beides hängt mit der Bauchspannung zusammen.
Was wir machen
- Zwerchfell und Rippenbögen lösen: Damit der Bauch Platz nach oben bekommt und die Atmung den Darm mitbewegt. Sehr leichter Druck, oft im Halbschlaf.
- Bauch und Becken behandeln: Sanfte Techniken am Dünn- und Dickdarm in Richtung der Darmbewegung, am Beckenring und am Beckenboden.
- Bauchmassage zeigen: Im Uhrzeigersinn, mit warmen Händen, ein paar Minuten vor der Schreiphase — ihr macht das dann zu Hause täglich.
- Luft raus statt rein: Trinktempo, Pausen zum Bäuerchen, Sauger- oder Anlegetechnik — wenn das Baby beim Trinken viel Luft schluckt, arbeiten wir daran zuerst.
Zwei bis drei Termine reichen in der Regel. Wir sagen euch nach dem zweiten, ob wir einen Effekt sehen — und wenn nicht, hören wir auf.
Was du selbst tun kannst
Fliegergriff und Tragen. Baby bäuchlings auf dem Unterarm, der Handballen am Bauch, in Bewegung. Der leichte Druck auf den Bauch und die Wärme beruhigen viele Babys.
Beine radeln, Wärme, Ruhe. Beine sanft zum Bauch beugen und kreisen, ein warmes Kirschkernkissen durch ein Tuch, gedämpftes Licht. Weniger Programm am Nachmittag.
Nicht alles ausprobieren. Tropfen, Tees, Wechsel der Milch — jedes Mittel, das ihr nach zwei Tagen wieder absetzt, macht nur Unruhe. Was ihr ändert, ändert ihr eine Woche lang, und besprecht es mit Hebamme oder Kinderärztin.
Wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist
Geh bitte zuerst zur Kinderärztin oder in die Kindernotaufnahme, wenn eins davon zutrifft:
- Erbrechen in hohem Bogen oder grünliches Erbrechen
- Blut oder Schleim im Stuhl, kein Stuhlgang bei aufgetriebenem hartem Bauch
- Fieber, schlaffes oder auffällig blasses Baby, schrilles Schreien
- Das Baby trinkt deutlich weniger oder nimmt nicht zu
- Das Schreien ist plötzlich anders als sonst und lässt sich durch nichts unterbrechen










