Du wachst nachts auf, weil die Hand eingeschlafen ist. Ausschütteln hilft. Tagsüber fallen dir Dinge aus der Hand, das Aufschrauben einer Flasche wird zur Aufgabe. Das ist das Bild, mit dem die meisten zu uns kommen — und oft steckt der Karpaltunnel dahinter.
Der Karpaltunnel ist eine Engstelle im Handgelenk, durch die Sehnen und der Mittelnerv laufen. Wird es dort zu eng, meldet sich der Nerv: Kribbeln, Taubheit, später Kraftverlust. Aber nicht jedes Kribbeln in der Hand kommt vom Handgelenk. Genau das klären wir zuerst.
Woher kommt das?
Zu eng im Tunnel. Geschwollene Sehnenscheiden durch Dauerbelastung — Tastatur, Maus, Handwerk, Musikinstrument. Auch Schwangerschaft und hormonelle Umstellungen machen das Gewebe wasserreicher.
Der Nerv ist schon weiter oben eingeklemmt. Der Mittelnerv kommt aus der Halswirbelsäule und läuft durch Schulter und Ellenbogen. Eine Engstelle dort fühlt sich in der Hand fast gleich an.
Das Handgelenk selbst. Nach Stürzen, bei Überlastung oder Arthrose tut das Gelenk weh, ohne dass ein Nerv beteiligt ist. Dann ist die Behandlung eine andere.
Was wir uns ansehen
Welche Finger betroffen sind — das sagt viel darüber, welcher Nerv gemeint ist. Provokationstests am Handgelenk. Beweglichkeit und Kraft von Hand, Ellenbogen, Schulter und Halswirbelsäule. Und wir fragen nach: nachts oder tagsüber, eine Hand oder beide, seit wann. Bei unklarem Bild empfehlen wir eine Nervenmessung beim Neurologen, bevor wir weitermachen.
Was wir machen
- Nerv und Sehnen entlasten: Mobilisation des Handgelenks, Techniken für die Gleitfähigkeit des Nervs, Dehnung der Unterarmmuskulatur.
- Die Kette nach oben mitbehandeln: Ellenbogen, Schulter, Brustkorb und Halswirbelsäule — manuell oder osteopathisch.
- Kräftigung von Hand und Unterarm, sobald der Nerv Ruhe hat. Sonst kommt das Problem wieder.
- Alltag umbauen: Handgelenk gerade halten, Griffe verändern, Pausen einbauen. Nachts kann eine Schiene helfen, wir sagen dir, welche.
Was du selbst tun kannst
Nachts gerade. Die meisten schlafen mit abgeknicktem Handgelenk. Eine leichte Schiene aus der Apotheke hält es gerade — oft ist das nach ein paar Nächten schon spürbar.
Handgelenk nicht dauerhaft abknicken. Tastatur flach, Maus nah am Körper, Handballen nicht aufstützen.
Nerv gleiten lassen. Arm zur Seite strecken, Handfläche nach vorn, Finger sanft nach hinten ziehen und lösen. Zehnmal, ohne Kribbeln zu provozieren.
Wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist
Geh bitte zuerst in die Arztpraxis, wenn eins davon zutrifft:
- Die Taubheit ist dauerhaft da, auch tagsüber, und wird nicht besser
- Der Daumenballen wird sichtbar dünner oder du kannst den Daumen kaum noch gegen die Finger drücken
- Dir fallen regelmäßig Dinge aus der Hand
- Beide Hände sind betroffen und du hast Diabetes, eine Schilddrüsenerkrankung oder bist schwanger — hier gehört die Ursache abgeklärt
- Das Handgelenk ist nach einem Sturz geschwollen und du kannst es kaum bewegen













