Über den Beckenboden redet kaum jemand freiwillig, und das ist der Hauptgrund, warum so viele länger damit leben als nötig. Ungewollter Urinverlust beim Husten, Niesen oder Springen betrifft einen erheblichen Teil aller Frauen — und nach Prostataoperationen auch Männer. Beides ist behandelbar, und zwar meistens ohne Operation.
Woher kommt das?
Schwangerschaft und Geburt. Monatelange Belastung von oben, dann eine erhebliche Dehnung. Dass danach Zeit und gezielte Arbeit nötig sind, ist normal und kein Versagen.
Operationen im Bauch- und Beckenraum. Gebärmutter, Prostata, größere Bauchoperationen.
Dauerdruck von oben. Chronischer Husten, schweres Heben, starkes Pressen beim Stuhlgang.
Und die Variante, die oft übersehen wird: ein zu angespannter Beckenboden. Nicht jede Beschwerde kommt von Schwäche. Ein Beckenboden, der dauerhaft unter Spannung steht, kann genauso Beschwerden machen — dann ist Training mit noch mehr Anspannung genau das Falsche. Deshalb untersuchen wir, bevor wir üben lassen.
Was wir uns ansehen
Bei uns läuft jeder Termin in vier Schritten: Anamnese, Untersuchung, Behandlung, Tipps für zu Hause. Erst reden wir ausführlich über dein Anliegen und mögliche Zusammenhänge. Dann untersuchen wir — Körperhaltung, Muskelspannung, Gelenkbeweglichkeit und Kraft. Was wir dabei finden, entscheidet, womit wir arbeiten.
Beim Beckenboden gehört dazu, wie du atmest und wie sich dein Zwerchfell bewegt — Zwerchfell und Beckenboden arbeiten als Paar. Dazu die Stellung von Becken und Lendenwirbelsäule, die Bauchmuskulatur und die Frage, ob du beim Anspannen tatsächlich den Beckenboden ansteuerst oder Gesäß und Oberschenkel. Das ist erstaunlich oft der Fall.
Was wir machen
- Wahrnehmungsschulung. Zuerst muss klar sein, was sich da überhaupt bewegen soll.
- Atem- und Zwerchfellarbeit, weil darüber der Beckenboden am besten erreichbar ist.
- Aufbau oder Entspannung — je nachdem, was der Befund zeigt.
- Übertragung in den Alltag: Husten, Heben, Aufstehen, Sport.
- Manuelle Therapie an Becken, Lendenwirbelsäule und Hüfte, wenn dort etwas blockiert.
Was du selbst tun kannst
Nicht pressen. Weder beim Stuhlgang noch beim Heben. Ausatmen bei Anstrengung.
Trink normal weiter. Weniger zu trinken macht den Urin konzentrierter und reizt die Blase zusätzlich.
Übe nicht auf Verdacht. Wenn Übungen es schlimmer machen, hör auf und lass untersuchen — das spricht für einen zu angespannten Beckenboden.
Wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist
Geh bitte zuerst in die Arztpraxis, wenn eins davon zutrifft:
- Blut im Urin
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, eventuell mit Fieber
- Du kannst die Blase nicht mehr entleeren
- Ein Druck- oder Fremdkörpergefühl nach unten, das zunimmt
- Plötzlicher Kontrollverlust über Blase oder Darm zusammen mit Taubheit im Gesäßbereich — das ist ein Notfall
- Beschwerden, die kurz nach einer Geburt stark sind oder mit starken Schmerzen einhergehen




























