Beim Einschlafen fängt es an: „Die Beine tun weh.“ Beide, irgendwo zwischen Knie und Schienbein, manchmal in den Waden oder Oberschenkeln. Das Kind weint, will massiert werden, schläft mit Wärmflasche ein. Am Morgen rennt es, als wäre nichts gewesen. Ein paar Tage Ruhe, dann geht es wieder los — oft nach Tagen mit viel Toben.
Wachstumsschmerzen sind der häufigste Grund für Beinschmerzen im Kindesalter, sie betreffen bis zu jedes dritte Kind. Sie tun weh, sind aber harmlos und hinterlassen nichts. Ob sie wirklich mit dem Wachsen zu tun haben, ist übrigens nicht bewiesen — die Knochen wachsen vor allem im Schlaf, das stimmt, aber Kinder mit Wachstumsschmerzen wachsen nicht schneller als andere. Der Name bleibt trotzdem, weil jeder ihn kennt.
Woher kommt das?
Die plausibelste Erklärung: Muskeln, Sehnen und Knochenhaut sind nach einem aktiven Tag überlastet, die Reizschwelle ist bei manchen Kindern niedriger, und abends, wenn es ruhig wird, meldet sich der Schmerz. Kinder mit Wachstumsschmerzen haben häufiger auch einen Knick-Senkfuß, sehr bewegliche Gelenke oder eine erhöhte Spannung in Wade und Oberschenkelrückseite. Ein Zusammenhang mit Vitamin-D-Mangel wird diskutiert, ist aber nicht sicher. Was wir mit den Händen oft finden: Beine und Becken, die nach dem Toben nicht mehr locker sind.
Was wir uns ansehen
Das Wichtigste ist, dass es wirklich Wachstumsschmerzen sind. Dafür sprechen: beide Beine, wechselnd, abends oder nachts, morgens weg, kein Hinken, kein geschwollenes oder warmes Gelenk, keine Druckstelle am Knochen, kein Fieber, keine Gewichtsabnahme. Wir prüfen Gelenke, Muskelspannung, Beinachsen und Füße, Beweglichkeit von Hüfte, Knie und Sprunggelenk und wie das Kind geht und hüpft. Passt etwas nicht ins Bild, schicken wir euch zur Kinderärztin — Blutbild und gegebenenfalls Röntgen sind dann der nächste Schritt, nicht noch ein Termin bei uns.
Was wir machen
- Spannung nehmen: Sanfte Osteopathie an Waden, Oberschenkelrückseite, Knie, Becken und Kreuzbein — das Kind liegt dabei entspannt, viele finden es angenehm.
- Füße und Beinachse: Bei ausgeprägtem Knick-Senkfuß oder X-Beinen zeigen wir Fußübungen und besprechen, ob Einlagen sinnvoll sind.
- Abendritual bauen: Dehnen, Massage, Wärme — als feste Abfolge vor dem Schlafen, damit das Kind eine Handlung hat statt Angst vor der Nacht.
- Beruhigen, ohne zu bagatellisieren: Der Schmerz ist echt. Wir erklären dem Kind, was da passiert, und dass es nicht gefährlich ist.
Ein bis zwei Termine, dann seht ihr, ob es hilft. Wachstumsschmerzen kommen in Phasen und verschwinden mit der Pubertät von selbst.
Was du selbst tun kannst
Wärme und Massage. Warmes Bad oder Wärmflasche, dann die Beine mit etwas Öl von den Füßen zu den Hüften ausstreichen. Das hilft fast immer und ist Zuwendung dazu.
Abends dehnen. Waden an der Wand, Oberschenkelrückseite im Langsitz, je 20 Sekunden, spielerisch als Teil des Zubettgehens.
Nicht vom Sport abhalten. Bewegung ist gut. An sehr aktiven Tagen lohnt sich nur das Ritual am Abend umso mehr.
Wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist
Geh bitte zuerst zur Kinderärztin, wenn eins davon zutrifft:
- Der Schmerz sitzt nur in einem Bein oder immer an derselben Stelle
- Das Kind hinkt, will nicht laufen oder hat auch morgens und tagsüber Schmerzen
- Ein Gelenk ist geschwollen, warm, gerötet oder lässt sich nicht voll bewegen
- Fieber, Blässe, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust oder nächtliches Schwitzen
- Der Schmerz ist nach einem Sturz oder Unfall entstanden






